Bergrennen

Bergrennen sind die Einzelzeitfahren des Motorsports. Auf fahrerisch anspruchsvollen, kurvenreich Bergstraßen, die sonst ihren alltäglichen Zweck als öffentliche Land- oder Kreisstraße erfüllen, kämpfen die Fahrer allein gegen den Berg und den Sekundenzeiger der Stoppuhr. Diese Motorsportdisziplin ist nichts für schwache Nerven und am ehesten mit dem Ski-Abfahrtslauf zu vergleichen. Höchste Konzentration ist gefordert, wenn die Piloten in ihren verschiedenen Rennvehikeln den Berg hinaufstürmen. Kurven, Anbremspunkte und Bodenwellen müssen im Gedächtnis der Fahrer gespeichert sein. Nur die Könner finden die Ideallinie und schon ein kleiner Fahrfehler bedeutet oft das Ende aller Siegeschancen oder gar das Aus.

Die Spitzenpiloten in ihren potenten Formel 3000 oder Gruppe CN-Boliden erreichen, auf den zumeist engen und waldgesäumten Pisten eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 200 km/h. Auslaufzonen, wie am Nürburgring sucht man vergebens. Doch leidet die Sicherheit für die Akteure und Zuschauer, dank des hohen Sicherheitsstandarts an Deutschlands Bergen, der Doppelleitplanken und Altreifenpakete an neuralgischen Streckenabschnitten zwingend vorschreibt, nicht.

Für das Publikum ist ein Bergrennen immer Motorsport zu Anfassen. Auf Böschungen und an Hängen sitzend, lassen sich die Zuschauer, mit Ausnahme von Karts, Trucks und der Formel 1, alles hautnah um die Ohren fahren was vier Räder hat. Um eine Karte für´s Fahrerlager streiten nicht VIP´s und solche die sich dafür halten, statt dessen können die Fans „ihren Helden“ an den Zelten und Renntransportern, bei letzten Feinabstimmungen der Wettbewerbsfahrzeuge über die Schultern blicken. Der persönliche Kontakt zwischen Zuschauer und Fahrer gehört im Bergrennsport einfach dazu.

Auch das gibt es nur am Berg, sind nach einem Rennlauf alle „Himmelsstürmer“ oben, rollen diese im Pulk zurück ins Fahrerlager und die Fans sehen noch einmal die bunte Vielfalt der Rennwagen, wie in Zeitlupe bergab gleiten. Die Titel der Bergrennsportler für 2013, werden in 10 Rennen, bei zwei Streichresultaten ausgefahren (DM). Startberechtigt sind National A und Internationale Lizenznehmer des DMSB, die in mehreren Championnaten und Cups antreten.

Die Deutsche Automobil Bergmeisterschaft steht ab der Saison 2000 wieder allen Fahrzeuggruppen offen. In der Division 1 starten alle Tourenwagengruppen (G, N, A, F, H, E1), in der Division 2 alle Rennsportfahrzeuge (E2-Prototypen C3 / CN, und Formel 3 sowie die Formelfreien Monoposto-Rennwagen der Gruppe E2 , inkl. Formel 2). Formel 3000 Rennwagen sind ab 2003 nicht mehr punktberechtigt, da einige Bergstrecken nicht für diese Boliden zugelassen sind, diese machen jagt auf die einzelnen Tagessiege. Punkte werden pro Rennlauf in der jeweiligen Division vergeben. Die 8 Besten der Gesamtwertung erhalten in Abhängigkeit der Streckenlänge (bis oder über 2500 Meter) ihre Punkte, wobei Gruppeneinteilung und Hubraum keine Rolle spielt.

Im DMSB Bergpokal für Tourenwagen und GT-Fahrzeuge (bis max. 2000 ccm Hubraum) und in dem der Rennsportfahrzeuge (bis 2 Liter Hubraum), gilt ein ähnliches Punkteschema. Maßgebend sind hierbei die Anzahl der besiegten Konkurrenten in den Hubraumklassen. Seit 2009 schreibt der DMSB zusätzlich den Classic-Bergpokal für klassischen Tourenwagen und GT-Fahrzeuge aus, der jedoch für das Jahr 2013 wieder gestrichen wird. Eine wahrhaft imposante PS-Parade ist der KW Berg Cup, der sich bei Aktiven wie Fans großer Beliebtheit erfreut. In seinen nunmehr 25 Jahren stehen regelmäßig, zu den Wertungsläufen in Deutschland oder im benachbarten Luxemburg und Österreich an die 80 spektakuläre Gruppe H und E1 Spezial-Tourenwagen am Ablauf. An und unter der Karosserie eines VW Polo, BMW 320 16V oder Ex DTM Mercedes sind technische Leckerbissen zu finden. So werden, beispielsweise Getriebe von Formel 3 Rennwagen verwendet, PS-starke 16 Ventilmotoren eingepflanzt sowie ein enormes Flügel.- und Spoilerwerk montiert.

Die privat gemanagten Rennserien: Classic-Berg-Cup, Sportwagen-Bergcup, NSU-Bergpokal, Fiat-Lancia-Sportpokal sowie ADAC Rennsport-Pokale, Gaumeisterschaften (DMV,AvD) und Clubmeisterschaften, runden das Angebot in Deutschland ab. Oberste „Liga“ im internationalen Bergrennsport ist die Europabergmeisterschaft (EBM).
Das Mekka des Bergrennsports ist sicherlich Frankreich und Italien, hier gehen beispielsweise zahlreiche ultraschnelle Formel 3000-Renner und schnittige Gruppe C-Sportwagen auf die Strecken. Wer nun auf den Geschmack gekommen ist mal ein Bergrennen live zu verfolgen, sollte die absoluten Klassiker von Mont Dore (Frankreich), Rechberg (Österreich), Trento-Bondone (Italien) oder St.Ursanne-Les Rangiers in der Schweiz, einmal bereisen.
Hierzulande ziehen Bergklassiker wie das Bergrennen Unterfranken in Eichenbühl, das Hauenstein Bergrennen in der Rhön, das Bergrennen von Osnabrück oder das große Saisonfinale von Mickhausen bei Augsburg, Piloten und Zuschauer in Massen an. (Artikel von Thomas Bubel)

Mehr Infos dazu bei Michael Dandl per email unter vorstand@rg-rosenheim.de